Aktuelles von Indianern in den USA in Deutsch

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,
am 1. Januar 2004 kam 13 Uhr in ARD der Dokumentarfilm

Auf dem Kriegspfad
Eine Indianerin kämpft gegen Washington

Mir hat dieser Dokumentarfilm keine Ruhe gelassen. Deswegen habe ich einen indianischen Freund in den USA gebeten, mir genaue Infos zu besorgen.

Von der Rechtsanwältin der Eloise Cobell, Frau Andrea Hornbein, welche sich auch für die Freilassung von Leonard Peltier einsetzt, habe ich die Erlaubnis die Informationen in Englisch und die deutsche Übersetzungzu zu veröffentlichen, damit der Fall bei vielen Menschen bekannt wird.

Unser Dank geht an Astrid Karsch, welche den englischen Text übersetzt hat.

Mit freundlichen Grüßen

Evelin Cervenkova


Amerikas 100-Milliarden-Dollar-, 100-Jahres-Betrug?
Das Verschwinden von 137 Milliarden US-Dollar

30.09.2002
Autor: Dean Schabner

Die indianische Aktivistin Eloise Cobell führt vor Gericht einen Kampf gegen die US-Regierung, um das Geld zurückzuerhalten, das diese seit einem Jahrhundert ihrer Familie und 300.000 anderen schuldet.

Die Regierung wird weiter lügen in Bezug auf die Reform der Trust Funds, sagt ein Richter

Als kleines Mädchen hörte Eloise Cobell, wie sich ihre Eltern und Großeltern darüber beschwerten, dass die US-Regierung ihnen Millionen Dollar für die Übereignung von Land schuldet, das ihren Vorfahren genommen wurde, und sie fragte sich, ob dies wahr wäre.

Als sie erwachsen war, fand sie heraus, dass die Sache noch schlimmer war, als sie sich je vorgestellt hatte.

Ausgang des 19. Jahrhunderts sagte die Regierung Frau Cobells Vorfahren, dass sie nicht in der Lage wären, ihr Land selbst zu verwalten, und sie übernahm die Kontrolle über das Land, mit dem Versprechen, der Familie Anteile aus dem Verkauf von Holz, Weiderechten und Rechten zur Ausbeutung der Mineralien und Ölvorkommen zu zahlen.

Die Zahlungen kamen so sporadisch und in so unregelmäßigen Beträgen, dass die Verwandten von Frau Cobell misstrauisch wurden. Diese Vermutungen scheinen jetzt durch den Mangel an jeglichen Abrechnungsunterlagen für die Zahlungen bestätigt zu werden, sagt sie.

Frau Cobells Familie ist nicht als einzige betroffen. Es gibt ca. 300.000 Menschen, denen die Regierung Geld schuldet, und die Schulden belaufen sich - nach Aussage von Frau Cobell und ihres Anwaltsteams, das die Regierung im Jahre 1996 auf Erhalt einer Abrechnung und einer Entschädigung verklagte - auf 137 Milliarden Dollar.

Die Regierung aber weiß von nichts.

"Ich bin damit aufgewachsen", sagte Frau Cobell. "Es ist, wie wenn man etwas immer im Hinterkopf hat, von dem man weiß, dass es unrecht ist."

Ein Ruf nach Rechenschaft

In den 115 Jahren nach Beschluss des "Dawes Act", der der Regierung erlaubte, die Verwaltung von 36 Millionen Hektar Indianerland zu übernehmen und dafür Treuhandkonten, die "Individual Indian Monies trusts" einzurichten, gingen die Belege dafür verloren, wurden vernichtet oder meist gar nicht erst aufgehoben.

Und als die Beamten im Innenministerium die Anweisung erhielten, Ordnung in die Abrechnungen zu bringen und einen Plan für die korrekte zukünftige Verwaltung der Treuhandkonten zu entwickeln, taten sie überhaupt nichts und verschleierten dies. Das sagt ein Bundesrichter, der die Innenministerin Gale Norton für diese Fehler verantwortlich macht.

"Dieses unaufrichtige Verhalten hat mich wirklich schockiert," sagt Frau Cobell. "Sie können weiter ohne Strafe den Geist der Menschen brechen, die versuchen, sie zur Wiedergutmachung ihrer Fehler zu bringen."

"Mein Ziel ist es, die Regierung dahin zu bringen, das System zu korrigieren", sagt sie. "Ich möchte, dass sie Verantwortung übernehmen muss für die Menschen, die sie vertritt. Bei einem Fall von Geschäftskorruption gibt es immer großes Geschrei. Wenn eine Bank das Geld anderer Menschen veruntreuen würde, müssten die Verantwortlichen dafür ins Gefängnis gehen."

"Eine wichtige Entscheidung"

Frau Cobell, 56 Jahre alt und Stammesmitglied der Blackfeet, begann ihren Kampf für die Offenlegung der Treuhandkonten im Jahre 1996 vor dem U.S.-Bezirksgericht in Washington, D.C.. In den mittlerweile sechs Jahre andauernden gerichtlichen Verhandlungen hat der Richter wiederholt zugunsten der Indianer entschieden.

Das aktuellste Urteil vom 17. September (2002), in dem der Richter des U.S. Bezirksgerichts Royce Lamberth das Management der Trust Funds durch die Regierung als Schande bezeichnete und Frau Ministerin Norton für schuldig befand, war "ein Quantensprung vorwärts" für die Sache der Indianer, sagt Geoffrey Rempel, ein Mitarbeiter des Anwaltsteams von Frau Cobell.

Richter Lamberth führt in einem 267-seitigen Bericht aus, dass Gale Norton nicht seiner Aufforderung nachgekommen ist, die Probleme in der Verwaltung der Treuhandkonten zu lösen und er nannte vier Fälle, in denen das Innenministerium das Gericht getäuscht hatte.

"Diese Entscheidung ist ein echter Meilenstein" , sagt Rempel.

Er nennt die Entscheidung einen wichtigen Schritt in die Richtung, die Verwaltung der Konten vom Innenministerium auf unabhängige Verwalter zu übertragen.

"Ein unfähiger Verwalter der Vereinigten Staaten"

Richter Lamberth beauftragte das Innenministerium, bis zum 06. Januar 2003 einen arbeitsfähigen Plan für die Verwaltung der Treuhandkonten auszuarbeiten.

Das Urteil besagte: "Das Innenministerium hat dem Gericht, dem Congress und den einzelnen indianischen Gläubigern gegenüber unstreitig bewiesen, dass es die Treuhandkonten entweder nicht managen kann oder will. Noch schlimmer, das Ministerium hat gezeigt, dass es nicht länger mit der Berichterstattung über die Bemühungen bei der Offenlegung der Treuhandkonten betraut werden kann. Kurz gesagt, es gibt keinen Zweifel mehr daran, dass die Innenministerin in dieser Hinsicht eine unfähige Beauftragte für die Vereinigten Staaten war und weiterhin sein wird."

Die Anwälte des Justizministeriums, die als Verteidiger des Innenministeriums auftraten, kritisierten das Urteil und behielten sich vor, in Berufung zu gehen.

"Das Justizministerium ist nicht der Ansicht, dass die Fakten dieses Falles oder das anzuwendende Recht eine solche Anschuldigung begründen", sagte der stellvertretende Generalanwalt Robert McCallum. "Wir widersprechen der Gerichtsentscheidung und werden uns mit allen Möglichkeiten einer Berufung befassen."

Der Vorsitzende des Aufsichtskomitees für das Innenministerium und indianische Angelegenheiten sagte, in die Entscheidung des Richters wäre nicht der Status der Angelegenheit eingegangen, der am Anfang der Tätigkeit von Gale Norton herrschte.

"Sie hat ein jahrzehntealtes Problem der Bundesregierung geerbt", sagte der Republikaner James Hansen, Utah, nach der Gerichtsentscheidung. "Ich persönlich glaube, dass die Entscheidung des Richters unfair ist und ihre exzellente Arbeit missachtet."

Gale Norton hatte ein Gremium von Stammesführern berufen, das sie bei der Reform der Treuhandkonten beraten sollte, aber die Häuptlinge forderten, dass ein unabhängiges Gremium die Aufsicht über die Konten übernimmt, was jedoch das Innenministerium nicht akzeptierte.

Gale Norton ist nicht die erste U.S.-Politikerin, die in dieser Sache verantwortlich gemacht wird. Richter Lamberth hatte bereits 1999 den früheren Innenminister der Clinton-Regierung, Bruce Babbitt, den stellvertretenden Innenminister Kevin Gover und den Finanzminister Robert Rubin beschuldigt.

Das Gericht befand, dass die beiden Ministerien unter Babbitt und Rubin wiederholt die Übergabe von Dokumenten verzögert hatten, wichtige Unterlagen vernichtet wurden und dass vor Gericht unter Eid falsche Aussagen gemacht wurden.

Gale Norton war "bestenfalls nur geringfügig mehr entgegenkommend als ihr Vorgänger", sagte Richter Lamberth in seinem Urteil.

"Der Richter beschuldigt Frau Norton nicht für die Sachlage am Beginn ihrer Tätigkeit", sagte Rempel. "Er sagt, dass Frau Norton behauptet, die Treuhandkonten zu reformieren, während sie tatsächlich nichts dergleichen tut."

"Keine hohe Wissenschaft"

Bereits bevor Frau Cobell ihren Kampf aufnahm, fand ein Komitee des Congresses in den späten 80er Jahren des 20. Jahrhunderts heraus, dass Ölkonzerne von Beginn an Geld aus den Treuhandkonten entwendeten, und dass sie dies mit Wissen der Regierung taten. Im Jahre 1989 beantragte der Congress, Ordnung in die Treuhandkonten zu bringen.

Diesen Auftrag erhielt im Jahre 1991 die Abrechnungsfirma von Arthur Andersen, aber auf Grund des schlechten Zustands der Funds konnten keine Ergebnisse geliefert werden.

Seit 1994 hat die Regierung über 600 Millionen Dollar ausgegeben, vorgeblich für Bemühungen, die Trust Funds zu reformieren, sagt Rempel, aber die wiederholt ausgesprochenen Gerichtsentscheidungen bezeugen, dass bis heute kein entscheidender Fortschritt erzielt worden ist.

"Man muss sich wirklich fragen, wohin dieses Geld gegangen ist", sagt er.

Selbst nach einem Jahrhundert des Missmanagements, sagt Rempel, sollte es für die Regierung nicht so schwer sein, eine Bilanz der Schulden gegenüber den Gläubigern aufzustellen.

"Schließlich sind die Dinge, über die wir hier reden, keine hohe Wissenschaft", sagt Rempel. "Wir sprechen hier von Buchhaltung und Abrechnung - von Dingen, die in der privaten Wirtschaft täglich durchgeführt werden."

http://abcnews.go.com/sections/us/DailyNews/indian_trust020930.html

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