Wie viel ist Ihnen ein Indianerleben wert? - Suizidprävention

Viele Indianerfreunde wissen, dass kleine Indianerkinder im Alter von fünf und sechs Jahren ihren Eltern weggenommen und in Schulinternate gesteckt wurden. Auch heute noch verbringen viele Indianerkinder ihr junges Leben in Schulinternaten.

Was das für die Indianer-Kinder für ein psychisches Trauma bedeutet, können sich die meisten von uns überhaupt nicht vorstellen. Das ist einer der Gründe, warum heute viele Indianer psychisch krank sind.

Stellen Sie sich einmal vor, wie Sie sich im Alter von fünf oder sechs Jahren gefühlt hätten, wenn Sie plötzlich aus Ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen und von Ihren Eltern weggeschleppt und zusammen mit anderen verängstigten Kindern in ein Internat gekommen wären?

Psychische Krankheiten entstehen durch soziale Benachteiligung.

Sicherlich kann sich jeder von uns vorstellen, dass zum Beispiel ein ungewolltes Kind ganz anders behandelt wird als ein gewolltes. Das fängt bereits im Mutterleib an.

Eine Mutter, die sich auf ihr Kind freut, wird sich viel gesünder ernähren und sich um sich und das junge Leben im Bauch besser kümmern, als eine Frau, die das Kind gar nicht will.

Dieses Verhalten geht auch nach der Geburt weiter.

Eltern, die sich auf ihr Kind freuen, werden ihm alle mögliche Zuwendung und Liebe geben, als die Eltern, die das Kind nicht wollen.

Negative Beispiele kann ich aus meiner eigenen Kindheit anführen. Ich wurde bereits mehrere Male von meinem Vater sehr schlimm geschlagen, da war ich noch so klein, dass ich noch nicht einmal laufen konnte - also jünger als zwei Jahre.

Bereits im Vorschulalter wurde ich oft an Wochenenden mit meiner jüngeren Schwester und meinem jüngeren Bruder von Samstag Nachmittag bis Sonntag Abend allein gelsassen. Von mir wurde bereits im Vorschulalter verlangt, dass ich mich über 24 Stunden lang um meine beiden jüngeren Geschwister kümmere!

Als ich zehn Jahre alt war, da konnte ich plötzlich nicht mehr singen, obwohl ich vorher immer sehr schön und gern gesungen hatte und auch in der Schule vor Schülern, Lehrern, Erziehern und Eltern singen durfte. Ich konnte plötzlich mit 10 Jahren nur noch krächzen, musste weinen und zittern, wenn ich in der Schule singen sollte und wusste über 40 Jahre lang nicht, warum?

Erst vor drei Jahren habe ich mich in einer Psychotherapie erinnert, dass mein Vater mich damals zu Hause an den Hals gefasst und gewürgt hatte, bis ich röchelte. Er hatte damals nur gesagt: "Hör auf zu singen!" - keine Erklärung, gar nichts - nur Befehlston!

Weil ich nicht verstehen konnte, warum ich aufhören sollte zu singen , hatte ich weiter gesungen, weil die Leute ja immer sagten, ich würde schön singen. - Mein Vater riss mich damals vom Stuhl und ich fiel auf den Rücken, er kniete auf meinen Brustkorb und drückte mir den Hals zu, so dass ich keine Luft bekam, röchelte und eine rote Wand sah.

Ich möchte Sie nicht mit negativen Geschichten aus meiner Kindheit und Jugend gruseln, sondern nur den Unterschied erklären, zwischen der Behandlung ungewollter und gewollter Kinder.

Die Ursachen für eine spätere psychische Erkrankung beginnen also schon im Mutterleib.

Ja, und zurück zu den Indianern: die Indianer waren von den europäischen Eindringlingen auch nicht gewollt und wurden deshalb teilweise ausgerottet, schlecht behandelt, ihnen die Nahrungsgrundlage (die Bisons) genommen und sie wurden kulturell unterdrückt. Diese Methode hält bis heute an, weshalb das ein weiterer Grund ist, warum die meisten Indianer psychisch krank geworden sind.

Wie soll ein junger Indianer in den Internatsschulen gelernt haben, sich liebevoll und verständnisvoll zu verhalten, wenn er jahrelang von seinen Eltern getrennt war?

Wie soll er/sie wissen, wie eine liebevolle Zuwendung aussieht, wenn sie selbst Eltern werden, wenn sie das in ihrer Kindheit nicht erlebt und erlernt haben?

Es gibt also einen hohen Nachholebedarf zur traditionellen Heilung von psychischen Krankheiten bei nordamerikanischen Indianern.

Wie macht man das oder wie geht man da vor?

1998 habe ich zu diesem Thema deutsche Literatur in den Bibliotheken gesucht und habe lediglich eine Dissertation mit dem Titel "Psychiatrische Morbidität bei den Indianern Nordamerikas" aus dem Jahr 1987 in der Deutschen Bücherei (heute Deutsche Nationalbibliothek) in Leipzig gefunden und gelesen.

Auch im Internet hatte meine Suche nach deutschen Webseiten leider keinen Erfolg und so habe ich damals beschlossen, selbst zu diesem Thema zu schreiben.

Das ist einer der Gründe, warum ich seit fünf Jahren Mitglied im Netzwerk für Seelische Gesundheit in Sachsen bin.

Nicht nur die Indianer sind in der psychologischen und psychiatrischen Betreung unterversorgt, sondern auch wir Ostdeutschen. Ein verhaltensauffälliges Kind in Ostdeutschland muss oft mehrere Monate auf einen Therapieplatz warten. - Die Behandlung von Erwachsenen ist nicht viel besser. Wenn man nicht gerade ein Akutfall ist, bekommt man seinen Psychiater nur einmal in drei, im günstigsten Fall in zwei Monaten zu Gesicht. Man erhält sein Rezept und geht wieder. So kann auf keinen Fall eine optimale Heilung gewährleistet werden!

Was haben psychisch kranke Indianer in den USA oder Kanada zu erwarten, sofern sie sich in Behandlung begeben können und wollen?

Was können wir in der oben genannten Dissertation lesen?

Seite 2)
Es ist trotz guten Willens nicht immer einfach, die eingefahrenen Bahnen kulturspezifischer Vorurteile zu verlassen.

Wechselwirkung: soziales Beziehungsfeld, Akkulturation und psychiatrische Erkrankung

Seite 4)
"What is considered normal in one culture may be considered quite pathological in other" (Torey 1972)

Indianer wurden als kulturell und geistig tiefer stehend betrachtet.
Gehalt indianischer Philosophie wurde nicht geprüft.

Seite 6)
In einer bestimmten Kultur entwickelte Theorie sind nicht immer auf andere Kulturen übertragbar.

Seite 7)
Halluzinationen werden bei indianischen Stämmen als normale Ereignisse angesehen und in der "westlichen" Kultur als krankhaft!

Seite 8)
Objektive Orientierung

Seite 10)
Mediziner

versuchen beobachtbare Verhaltens- und Ausdrucksweisen einer fremden Kultur in ein Schema zu zwängen, das sie von der "westlichen" Ausbildung her kennen.

Testmethoden wurden entwickelt, welche auf einer völlig anderen Basis beruhen, die Anwendung an anderen Kulturen führt daher zu zweifelhaften und falschen Ergebnissen!

Was können wir in dieser Dissertation über indianische Heiler, auch Schamanen genannt, lesen?

Seite 16)
Indianer und Schamanen

Therapeuten der indianischen Bevölkerung, die zur Ausübung ihrer Tätigkeit ein mindest ebenso großes Wissen erwerben müssen, wie "westliche" Mediziner.
Schamanen werden von Wissenschaftlern der "westlichen" Kultur als schizophren oder psychisch krank bezeichnet.

Seite 17)
Indianische Kultur sieht so einen Zustand als Erweiterung des Bewusstseins an.

Seite 18)
Reifung zum Schamanen

Seite 19)
Funktion des Schamanen

Navajo: "hand-trembler" = Funktion des Diagnostikers

Coast-Salish-Indianer:

Seite 20)
Robert Lake, ein Seneca-Cherokee-Indianer, Professor an der Humboldt State University und gleichzeitig traditioneller Schamane:

Indianer kennen die scharfe Trennung zwischen körperlichen und seelischen Krankheiten der "westlichen" Welt nicht!

Seite 21)
Stellung des Schamanen

Schamane und Psychiater

Seite 22)

Was sagt diese Dissertation zur psychiatrischen und psychologischen Versorgung der Indianer aus?

Seite 23)
Indianer und Psychiater

Die Anfänge

Seite 25)
Psychiatrische Versorgung in den Reservaten

Seite 26)
Auf vielen Reservaten gibt es keine oder nur eine ungenügende psychiatrische Versorgung

Auftauchende psychische Erkrankungen werden oft überhaupt nicht beachtet, oder der Patient in eine entfernte psychiatrische Klinik gebracht und nur mit Medikamenten behandelt.

Der Indianer ist in der psychiatrischen Klinik nicht von Menschen seines täglichen Lebens umgeben, so dass der therapeutische Effekt recht zweifelhaft ist.

Ist es wünschenswert und ethisch vertretbar einem Volk mit anderen Traditionen und einer anderen Vorstellungswelt, das eigene, nur im eigenen Kulturkreis erprobte – und selbst dort umstrittene – medizinische und psychiatrische Modell aufzudrängen?

Sind die "westlichen" Lösungsvorschläge überhaupt auf Indianer übertragbar und erfolgversprechend?

Seite 27)
Psychiatrische Versorgung in den Städten

Bestätigt wird das Wissen über die Hintergründe indianischer psychischer Erkrankung

Probleme einer Minderheit und Schwierigkeiten einer sozialen Unterschicht, dabei sind besonders die kulturellen Unterschiede zu berücksichtigen

Probleme der Eingliederung sind:

Seite 28)

Eigentumsbegriff:
verpflichtet zum teilen
Es ist nicht erlaubt, offen Ärger auszudrücken.

Seite 29)
Der Psychiater aus der Sicht des Indianers

Vertrauen hängt von der Aufgeschlossenheit, dem Einfühlungsvermögen in die indianische Lebensweise und Kenntnisse der indianischen Bräuche ab.

Welches Denkergebnis hat diese Dissertation erziehlt?

Seite 30)
Zu neuen Zielen

In dieser Dissertation wird auf den folgenden Seiten erläutert, wie es zu spychischen Erkrankungen der Indianer kommt und dass sich aber auch nach und nach eine neue indianische Identität entwickelt.

Wussten Sie, dass nur eine Person von 2.000 Leuten wirklich psychisch gesund ist? - Das haben Psycholgen festgestellt.

Wir sind also alle mehr oder weniger psychisch krank und nur die Wenigsen bekennen sich dazu!

Mit freundlichen Grüßen

Evelin Cervenkova
Begründerin der Lakota Oyate Information in Deutschland
Koordinatorin für internationale Zusammenarbeit im Netzwerk für Seelische Gesundheit in Sachsen

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