Aktuelle Berichte über Historisches bei den Lakota

Folgende Einträge von Evelin Červenková:

Tatá.ka Íyotake reitet in Buffalo Bills Wildwest-Show und zerstört den Mythos

Sitting Bull und Buffalo Bill Cody

Originaltext in Englisch zu finden unter: https://www.nativesunnews.today/articles/tata-ka-iyotake-rides-into-buffalo-bills-wild-west-show-and-shatters-the-myth/

am 14. Mai 2026

Von Ernestine Anunkasan Hopa
Chefredakteurin von Native Sun News Today

Sitting Bull, der Hunkpapa-Lakota-Häuptling, und Buffalo Bill Cody in seiner Wildwest-Show am 17. Mai 1885. (Foto mit freundlicher Genehmigung)

Als Sitting Bull, Tatá.ka Íyotake, am 17. Mai 1885 zusagte, sich Buffalo Bill Codys Wildwest-Show anzuschließen, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in den Zeitungen der gesamten Vereinigten Staaten. Reporter rangen darum, das Bild, das sie von ihm — dem "Erzfeind" der Vereinigten Staaten, dem Mann, dessen Vision der Niederlage Custers vorausging — gezeichnet hatten, mit der Realität eines Hunkpapa-Lakota-Anführers in Einklang zu bringen, der Teil einer reisenden Unterhaltungsshow wurde. Doch laut dem Historiker Robert M. Utley in "The Lance and the Shield" betrat Sitting Bull die Show mit unversehrter Würde und einem festen Ziel vor Augen. Er war nicht dort, um eine Rolle zu spielen. Er war dort, um eine Welt zu beobachten, die die Plains überrannt hatte, und um die Menschen zu verstehen, die nun sein Volk umgaben.

Utley erklärt, dass Sitting Bulls Vertrag mit Cody nur wenige Monate dauerte, diese Monate aber voller Bedeutung waren. Cody zahlte ihm fünfzig Dollar pro Woche, ein beträchtlicher Lohn im Jahr 1885, und behandelte ihn wie eine besondere Attraktion, nicht wie einen regulären Künstler. Cody wusste, dass Sitting Bulls bloße Anwesenheit ganze Arenen füllen konnte. Doch Sitting Bull nahm nicht an der Show teil, um das weiße Publikum zu unterhalten. Er wollte die Menschen kennenlernen. Er sagte One Bull, er wolle die Menschen studieren, deren Regierung ihre Versprechen gegenüber den Lakota gebrochen hatte, um ihre Lebensweise, ihren Glauben und die Widersprüche zu verstehen, die ihre Gesellschaft prägten. Diese Motivation deckt sich mit der mündlichen Überlieferung der Lakota und mit One Bulls bekannter Rolle als Sitting Bulls engster Vertrauter.

Was Sitting Bull in der Show tatsächlich tat, war weitaus bescheidener, als die Öffentlichkeit es sich vorstellte. Er weigerte sich, Schlachten nachzustellen, Postkutschenfahrer anzugreifen oder an Scheinkämpfen teilzunehmen. Sein "Auftritt", wie von Utley beschrieben und von zeitgenössischen Zeitungen bestätigt, bestand aus einem einzigen würdevollen Ritt um die Arena. Er ritt ein, umrundete die Menge einmal und setzte sich dann schweigend und gefasst vor sie. Das war alles. Er bemalte sein Gesicht nicht, gab nicht vor, besiegt zu sein, und ließ sich nicht zur Karikatur verdammen. Der St. Paul Pioneer Press beschrieb ihn als "selbstbewusst und aufmerksam" und bemerkte, dass er mehr an der Menge als am Spektakel um ihn herum interessiert schien. In einer auf Mythen basierenden Show bestand Sitting Bull darauf, authentisch zu sein.

Manchmal wandte er sich direkt an das Publikum. Seine Ausführungen waren kurz, aber prägnant. Utley merkt an, dass er über gebrochene Verträge, den Hunger in den Reservaten und die Lage der Lakota-Kinder sprach. Diese Reden waren nicht Teil von Codys Drehbuch. Es waren Sitting Bulls eigene Interventionen, Momente der Wahrheit, die in eine Fantasiewelt eingefügt wurden, die das weiße Amerika von seiner Unschuld überzeugen sollte. Einige Zeitungen beklagten, seine Äußerungen seien "politisch", andere hingegen bemerkten, dass die Menge fasziniert zuhörte. Mitten in einem Spektakel, das die indigene Bevölkerung auslöschen sollte, stand Sitting Bull da und sagte Amerika die Wahrheit über sich selbst.

Er stellte außerdem fest, dass weiße Zuschauer bereit waren, für seine Autogramme 50 Cent pro Stück zu bezahlen — eine beträchtliche Summe. Utley berichtet, dass er Tausende von Karten signierte und diese mitunter mit scharfsinnigen, humorvollen Bemerkungen versah, die seinen trockenen Humor und seine Kritik an der weißen Gesellschaft offenbarten. Einer seiner bekanntesten Sätze lautete: "Ich bin ein Indianer. Ich bin kein Narr." Mehrere Mitarbeiter der Show erinnerten sich an diesen Satz, und er taucht in zahlreichen Berichten über seine Zeit bei der Show auf. Es war eine kleine, aber unmissverständliche Bekräftigung seiner Souveränität.

Sitting Bulls Beobachtungen über die weiße Gesellschaft beschränkten sich nicht auf die Arena. Charles Eastman, Ohiyesa, hielt in seinem Werk "Indian Heroes and Great Chieftains" eine seiner bekanntesten Reflexionen fest: "Der Weiße weiß, wie man alles herstellt, aber er weiß nicht, wie man es verteilt." Eastman überlieferte auch eine weitere Erkenntnis Sitting Bulls: "Die Besitzgier ist eine Krankheit unter ihnen." Diese Aussagen decken sich mit dem, was Sitting Bull auf seinen Reisen erlebte: Städte, in denen manche Menschen im Überfluss lebten, während andere, insbesondere Kinder, in Armut hausten. Er sprach oft über die Lage weißer Kinder, erwähnte ihren Hunger und ihre zerlumpte Kleidung und stellte dies dem Glauben der Lakota gegenüber, dass kein Kind Not leiden sollte. Seine Kommentare waren nicht von Bitterkeit, sondern von Beobachtung geprägt. Er studierte eine Gesellschaft, die Anhäufung von Besitz über Großzügigkeit stellte, und fand dies befremdlich.

Seine Antwort war Geben. Utley und Stanley Vestal beschreiben beide Sitting Bulls außergewöhnliche Großzügigkeit während der Tournee. Er gab den Großteil seiner Einnahmen an arme Kinder und Familien in den Städten, die die Show besuchte. Er kaufte Essen für die Hungernden und gab den Kindern, die ihm durch die Straßen folgten, Münzen. Cody selbst soll gescherzt haben, Sitting Bull habe "mehr verschenkt als behalten". Für Sitting Bull war dies keine Wohltätigkeit. Es waren gelebte Lakota-Werte. Ein Anführer sorgt für andere. Ein Anführer teilt. Ein Anführer sorgt dafür, dass Kinder zu essen haben.

Und dann gab es jenen Moment, den nur Lakota-Zeugen verstanden, jenen Moment, den Vestal in "Sitting Bull: Champion of the Sioux" festhielt, basierend auf seinen Interviews mit One Bull und White Bull. Manchmal, wenn die Menge ihn zum Sprechen aufforderte, trat Sitting Bull vor und sprach sie in Lakota an. Das Publikum verstand natürlich nichts. Sie hörten nur den Rhythmus seiner Stimme und sahen die dramatische Geste seiner Hand. Sie nahmen an, er lobte sie, dankte ihnen oder äußerte eine edle Geste. Doch laut One Bulls Bericht blickte Sitting Bull auf die Tausenden jubelnden weißen Zuschauer und sagte in Lakota:
"Ich hasse alle Weißen. Ihr seid Diebe und Lügner." Und die Menge brach in Applaus aus. Sie jubelten, weil sie glaubten, er wolle sie ehren. Sie jubelten, weil sie sich nicht vorstellen konnten, dass er Klartext reden würde. Sie jubelten, weil sie ihn nicht verstanden – weder seine Sprache, noch seinen Humor, noch seine Trauer, noch sein Urteil. Vestal schreibt, Sitting Bull habe dies auf makabre Weise amüsant gefunden. Danach wandte er sich an One Bull und bemerkte, wie leicht die Weißen ihren eigenen Annahmen erlegen waren. Sie erwarteten, dass er dankbar sein würde. Sie erwarteten, dass er beeindruckt sein würde. Sie erwarteten, dass er von ihrer Welt demütig werden würde. Stattdessen sagte er ihnen die Wahrheit, und sie applaudierten.

Sitting Bull beobachtete das Publikum genau. Utley beschreibt ihn als jemanden, der "den Weißen studierte" und versuchte, die Menschen zu verstehen, die die Prärie überrannt hatten. Er sah ihre Sehnsucht nach Geschichten, die ihnen ein Gefühl der Unschuld vermittelten. Er sah ihre Faszination für ebendiese Menschen, die ihre Regierung auszulöschen suchte. Er sah ihre Verwirrung, als er sich weigerte, die von ihnen erwartete Rolle zu spielen. Er teilte diese Beobachtungen mit One Bull, der sie weitergab. So wurde Sitting Bulls Zeit bei der Wildwest-Show nicht zu einer bloßen Aufführung, sondern zu einer Art Erkundung, einem Studium der kolonialen Denkweise.

Seine Monate bei der Show offenbarten einen Mann, der sich in ein koloniales Spektakel begab, ohne seine Würde aufzugeben. Er nutzte die Plattform, um die Wahrheit auszusprechen. Mit scharfem Verstand beobachtete er die weiße Gesellschaft. Überall, wo er hinkam, lebte er Großzügigkeit. Und er blieb ganz Lakota in einer Welt, die ihn zu definieren versuchte. Seine Zeit bei der Show war keine Demütigung. Sie war strategisches Zeugnis ablegen. Er tauchte ein in den Mythos Amerika und weigerte sich, darin unterzugehen.

(Kontaktieren Sie Ernestine Anunkasan Hopa in Englisch unter editor @ nativesunnews.today)

Die letzte Jagd, Rettung des Pte Oyáte

Bison auf Briefmarke

Originaltext in Englisch zu finden unter: https://www.nativesunnews.today/articles/the-last-hunt-saving-the-pte-oyate/

am 30. April 2026

Von Ernestine Anunkasan Hopa
Chefredakteurin von Native Sun News Today

Als die letzte Büffeljagd verzeichnet wurde, war die Prärie in eine Stille versunken, die sich leer anfühlte, ohne das Leben, das sie einst durchdrungen hatte. Die gewaltigen Büffelherden, die einst donnernd über die Ebenen zogen und wie dunkle Flüsse über das Gras flossen, waren zu verstreuten Schatten geschrumpft. Ihre Abwesenheit war eine Wunde. Selbst die Wiesenlerchen schienen es zu spüren. Ihre Gesänge, einst mühelos mit dem Hufgetrappel der Büffel verwoben, hingen nun einsam in der Luft, als ob auch sie erkannten, dass die Welt unter ihren Flügeln nicht länger von der Pte Oyáte (Büffelnation) geprägt war.

Für die Lakota bedeutete das Verschwinden des Büffels nicht einfach nur den Verlust eines Tieres. Es bedeutete den Zusammenbruch einer ganzen Lebensweise. Der Büffel hatte sie ernährt, gekleidet, ihnen Schutz geboten und sie gelehrt. Jedes Körperteil des Tieres hatte seinen Sinn, seine Seele, seinen Platz im Kreislauf. Den Büffel zu verlieren bedeutete, einen Rhythmus zu verlieren, nach dem das Volk seit Jahrtausenden gelebt hatte.

Der Missionar Stephen Return Riggs schrieb über diese letzte Jagd und beschrieb Reiter, die den letzten Tieren mit einer Feierlichkeit folgten, die weniger an Verfolgung als vielmehr an eine Zeremonie erinnerte. Es gab keinen Sieg. Nur Erkenntnis. Die Menschen verstanden, dass sie Zeugen des Endes einer Ära wurden, eines Augenblicks, in dem die alte Welt verschwand und eine neue, ungewollte Welt sie umgab.

Am Cheyenne River spürte eine Lakota-Frau namens He.áka Wašté Wi.ya., die Gute Elchfrau, diese Veränderung bis ins Mark. Sie beobachtete, wie sich das Land veränderte, wie die Büffel verschwanden und wie die Stille zunahm. Und sie weigerte sich, dies zu akzeptieren.

Eines Morgens in den frühen 1880er Jahren stand sie vor dem Dupris-Anwesen nahe Cherry Creek, während ihr Mann, Frederick Dupris, und ihre Söhne sich auf eine, wie sie glaubten, gewöhnliche Jagd vorbereiteten. Die gute Elchfrau trat vor, ihre Stimme fest und entschlossen.

"Bringt zurück, was noch übrig ist." sagte sie zu ihnen. "Wenn wir nichts tun, werden die Büffel für immer verschwunden sein."

Diese Worte hatten die Bedeutung eines Gelübdes.

Die Familie ritt nordwärts in Richtung Grand River, wo Gerüchte besagten, dass noch einige Büffel lebten. Der Wind war scharf, das Land weit und leer. He.áka Wa&scaton;té Wi.ya. ritt die ersten Meilen mit ihren Söhnen, den Schal fest umschlungen, den Blick auf den Horizont gerichtet. Sie ritt nicht zum Vergnügen. Sie ritt für die Zukunft.

In den Ausläufern des Grand River fanden sie, wofür sie gebetet hatte: verwaiste Kälber, klein und verängstigt, zurückgelassen nach den letzten verzweifelten Jagden.

Die Jungen bewegten sich langsam und sprachen leise, um die Kälber zum Wagen zu führen. Frederick hob jedes einzelne vorsichtig hoch, als berühre er die letzten Fäden einer heiligen Welt.

Sie brachten die Kälber nach Hause. Sie fütterten und beschützten sie und sahen ihnen beim Wachsen zu. Im Laufe der Jahre vermehrten sich diese fünf Kälber zu einer Herde von 57 Tieren — eine der letzten überlebenden Büffelfamilien in den nördlichen Plains.

Es war ein zerbrechliches Wunder, entstanden aus dem Beharren einer Lakota–Frau darauf, dass ihre Verwandten geschützt werden müssen.

Nach Frederick Dupris' Tod ging die Herde in den Besitz der Familie über. Die Nachricht von den überlebenden Büffeln erreichte einen Rancher namens James "Scotty" Philip, der bereits für seinen Respekt vor dem Tier bekannt war. Doch es war seine Frau Sarah Larabee, eine indigene Frau aus der Gegend um Fort Robinson, die ihn zum Handeln drängte.

Sie erinnerte ihn daran, dass die Büffel mehr als nur Tiere waren; sie waren Teil der Geschichte, der Erinnerung und der Verwandtschaft eines Volkes. Sie sagte ihm, dass er, wenn er die Mittel hat, sie zu retten, auch die Verantwortung trägt.

Philip hörte zu.

1899 erwarb er die Dupris–Herde, die Nachkommen der von Good Elk Woman geretteten Kälber, und vergrößerte sie mit unermüdlichem Einsatz. Unter seiner Obhut wuchs die Herde auf fast 1000 Tiere an und war damit damals die größte der Welt. Besucher berichteten, dass der Boden leicht bebte, wenn die Büffel rannten.

Aus dieser Herde stammten die Tiere, die den Custer State Park, die Herden der indigenen Stämme und die Ranches in ganz South Dakota wiederbesiedelten. Die Büffel, die Touristen heute fotografieren, die sich in der Abenddämmerung vor den Black Hills abzeichnen, tragen das Blut jener fünf Kälber in sich, die die Familie Dupris einst auf einen Wagen verfrachtete.

Und so schließt sich der Kreis: Die letzte Büffeljagd markierte das Ende einer Ära. Die Rettung durch Good Elk Woman bedeutete einen Neubeginn. Die Herde der Familie Philip sicherte das Überleben der Art im nächsten Jahrhundert. Und der Custer State Park sicherte ihr Fortbestehen im übernächsten.

Die Pte Oyáte überlebten, weil He.áka Wašté Wi.ya. sich weigerte, sie verschwinden zu lassen.

Die Briefmarke
Heute, da die US-Post ihre neue Buffalo-Briefmarke herausgibt, birgt das Bild mehr als nur ein Kunstwerk. Es erinnert an die letzte Jagd, an den Mut von He.áka Wašté Wi.ya., der "Guten Elchfrau", an die Entschlossenheit von Frederick Dupris und ihren Söhnen, an die Fürsorge von Scotty Philip und Sarah Larabee und an die lange Reise eines heiligen Verwandten, der dem Aussterben entronnen ist.

Abstammung
Die Geschichte der Büffelrettung der Familie Dupris wird in den heutigen Nachkommen fortgeführt. Good Elk Woman und Frederick Dupris waren die Vorfahren von Douglas Dupris, der Mable Poor Buffalo Dupris heiratete. Ihre Tochter Aurelia Dupris Rave gab die Geschichte an ihre Tochter Andrea Marie Rave weiter, und diese wiederum an ihre Tochter Ernestine Anunkasan Hopa, die diese Geschichte bis heute bewahrt.

(Kontaktieren Sie Ernestine Anunkasan Hopa in Englisch unter editor @ nativesunnews.today)

Knochenpferde

zwei Knochen

Deutsche Übersetzung von Evelin Červenková - Lakota Oyate Information in (Ost)Deutschland mit freundlicher Erlaubnis von James Giago Davies von Lakota Times

Originaltext in Englisch zu finden unter: https://www.lakotatimes.com/articles/bone-horses/

von TOM CRASH
LT-MITARBEITER

20. Januar 2025: Am vergangenen Wochenende schickte ein Cousin per E-Mail Notizen aus einem Interview mit seinem Vater Ray Howe, in dem Onkel Ray über Spiele sprach, die er und seine Verwandten und Freunde spielten, als sie als Kinder in den frühen 1920er Jahren im Pine Ridge Reservat aufwuchsen.

Bei den Aktivitäten dieser Jugendlichen spielte die Fantasie eine große Rolle. Onkel Ray erwähnte, dass Filmszenen nachgestellt wurden und dass die Kinder die Requisiten mit allem, was sie finden konnten, nachgebaut hatten. Er erwähnte auch, dass Zirkusvorstellungen ihnen Ideen für Tricks gaben, mit denen sie ihren Hunden und Pferden die Darbietungen beibringen konnten.

Einige ihrer Spiele entwickelten Fertigkeiten wie die Herstellung von Pfeilen aus Schindeln und das Werfen dieser Pfeile auf Ziele. Oder sie warfen Pennys, um zu sehen, wer einer auf dem Boden gezogenen Linie am nächsten kommt. Die meisten Spiele wurden sowohl von Mädchen als auch von Jungen gespielt.

Das waren damals moderne Spiele. Aber die Kinder spielten auch Spiele und machten Aktivitäten, die eng mit der traditionellen Zeit verbunden waren, wie zum Beispiel Shinny spielen, Tinpsilas graben, Angeln und Wandern in abgelegenen Gebieten.

Die Erwähnung von Knochenpferden durch Onkel Ray weckte jedoch Erinnerungen an eine andere Verwandte Viola Allen. Hier im Büro in CAIRNS haben wir ein paar Knochenpferde, die ihr gehörten, als sie ein Kind war. Sie wuchs ebenfalls im Pine Ridge Reservat auf, war aber ein Jahrzehnt älter als Onkel Ray. Sowohl sie als auch er sagten, dass die Knochen von den Knöcheln oder Füßen von Kühen stammten.

Die größeren Knochen waren Pferde und Kühe, während die kleineren Fohlen und Kälber waren. Die Kleinsten könnten Hunde gewesen sein. Reiter und andere Personen wurden hergestellt, indem man Draht formte und ihn mit Schnur und Faden umwickelte. Kinder bauten Zäune aus Stöcken als Pfosten und benutzten Fäden als Stacheldraht. Sattel konnten aufgemalt oder durch Aufbinden von geschnittenen Papierstücken befestigt werden. Kutschen konnten aus Stücken von Kartonverpackungen hergestellt werden. Die einzigen Grenzen waren ihre Vorstellungskraft.

In "My People the Sioux" beschrieb Luther Standing Bear, der in den 1860er Jahren geboren wurde und im späteren Rosebud-Reservat aufwuchs, Spielzeugpferde wie die Knochenpferde von Onkel Ray und Oma Vi. Doch statt aus Knochen bestanden sie aus Ton: "Wir besorgten uns Lehmschlamm, bearbeiteten ihn, bis er leicht zu modellieren war, und schon bald hatten wir eine große Auswahl an Pferden. Für die Beine dieser Pferde haben wir Grashalme verwendet."

"Manchmal" fuhr er fort "machten wir unsere Pferde aus den Zweigen der roten Weide." Wir konnten vier verschiedene Farben herstellen. Wenn wir die Weide so benutzten, wie sie am Baum war, war das Pferd schlicht rot. Wenn wir die erste Rinde von den Beinen entfernten, ähnelten sie Strumpfbeinen. Beim Abschälen der Rinde entstand ein gelbes Pferd oder wir konnten gefleckte Pferde herstellen, indem wir hier und da an der Rinde herumpickten.

"Dann konnten wir auch aus diesen Zweigen kleine Männchen machen - das heißt, wenn unsere Pferde aus der Weide waren. Wenn wir Pferde aus Lehm machten, modellierten wir Menschen aus Lehm. Nachdem alle Pferde fertig waren, gingen wir dorthin, wo die echten Pferde grasten, holten getrockneten Mist und nannten sie Büffel, weil sie braun waren."

Onkel Ray sagte, dass die Eltern ihren Kindern zwar erlaubten, ihre eigenen Spiele zu finden, sie aber immer interessiert waren und Fragen stellten. Luther Standing Bear schrieb:
Wenn einer der älteren Leute vorbeikam, blieben sie stehen und schauten uns bei unserem Spiel zu ... Sie achteten immer sehr darauf, keines unserer Spielzeuge kaputt zu machen und uns den Spaß zu verderben.

In den sechzig Jahren zwischen der Kindheit von Standing Bear und Onkel Ray änderten sich die Dinge dramatisch. Onkel Ray sagte, die Zivilisation sei in ihre Welt eingedrungen und fabrikgefertigtes Spielzeug habe ihnen die Fantasie genommen. Jetzt, hundert Jahre nach seiner Kindheit, fragen wir uns, wie die Kinder von heute ihre Fantasie nutzen. Bei allem, was sie tun, ist wahrscheinlich die neueste digitale Technologie im Einsatz. Das regt vielleicht ihre Fantasie an, aber ist es so genial, wie Drahtmänner zu formen, die Mistbüffel auf dem Rücken von Knochenpferden jagen?

i>Das Center for American Indian Research and Native Studies (CAIRNS) ist ein von Indianern kontrolliertes gemeinnütziges Forschungs- und Bildungszentrum, das 2004 gegründet wurde und sich im Lacreek District des Pine Ridge Reservats in South Dakota befindet.

Doppelzüngigkeit und Diplomatie

Delegation Haeuptlinge

Deutsche Übersetzung von Evelin Červenková - Lakota Oyate Information in (Ost)Deutschland mit freundlicher Erlaubnis von James Giago Davies von Lakota Times

Originaltext in Englisch zu finden unter: https://www.lakotatimes.com/articles/duplicity-and-diplomacy/

Bild: Eine Delegation von Häuptlingen reiste im Frühjahr 1875 nach Washington, D.C. und versuchte die Regierung davon zu überzeugen den Vertrag von Fort Laramie aus dem Jahr 1868 einzuhalten. Von rechts nach links sitzend: Spotted Tail, Swift Bear und Sitting Bull (identifiziert als Oglala, nicht als der berühmtere Hunkpapa) mit Red Cloud und dem Dolmetscher Julius Meyer im Stehen.

Dies ist unsere letzte "Depesche" aus dem Sommer 1874. In unserer ersten Kolumne führten wir Black Elk als Beweis dafür an, dass die Lakota wussten, was in ihren Vertragsgebieten vor sich ging. In den darauffolgenden Wochen fanden wir weitere Beweise dafür, dass die Lakota eine Art Gegenüberwachung betrieben, indem sie die Bewegungen der Expedition nach Paha Sapa und von dort weg verfolgten.

Die Lakota übten enorme Selbstbeherrschung aus. Entgegen den Erwartungen verzichteten sie auf direkten Kontakt bis die Expedition Ende August nach Fort Lincoln zurückgekehrt war. Einem Telegramm zufolge, das am 10. September 1874 in der Chicagoer Zeitung "Inter-Ocean" veröffentlicht wurde, reiste eine Delegation von Lakota-Häuptlingen nach Bismarck und sprach direkt mit Custer. Running Antelope vom Hunkpapa Oyate und Fire Heart vom Sihasapa Oyate wurden von etwa 25 Kriegern begleitet und sie "protestierten energisch gegen die Verletzung des Vertrags von 1868 durch die Weißen, die in die Black Hills gingen."

Die Selbstdisziplin der Lakota stand im krassen Gegensatz zum Verhalten der Expeditionssoldaten. Immer wieder gab es Anzeichen dafür, dass die Soldaten kampflustig waren. Und wie wir in unserer Kolumne vom 24. Juli beschrieben haben, als die Expedition tatsächlich auf ein ahnungsloses Lager der Lakota in den Black Hills stieß, nahmen sie mehrere Geiseln, darunter One Stab, Slow Bull und Long Bear, den sie erschossen, als er zu fliehen versuchte.

Schon vor Ende der Expedition priesen die Zeitungen die landschaftliche Schönheit und den Mineralienreichtum der Black Hills. Kurz darauf arbeitete das United States Land Office mit Eisenbahngesellschaften zusammen, um Anzeigen zu erstellen, die Siedler dazu verleiten sollten, die Vertragsgebiete der Lakota zu besiedeln. Viele dieser Veröffentlichungen enthielten Karten, die anhand von Daten des Expeditionskartographen William Ludlow erstellt wurden und die praktischste Route in die Black Hills zeigten.

Wie reagierten die Lakota auf den Zustrom von Siedlern in ihre Vertragsgebiete? Wieder einmal griffen sie auf die Diplomatie zurück. Nur wenige Monate später, im Mai 1875, reiste eine Delegation von Häuptlingen den ganzen Weg nach Washington, D.C., wo sie den Innenminister Columbus Delano trafen.

Spotted Tail und Red Cloud versuchten, gegen die fortgesetzte Verletzung ihres Vertrags zu protestieren. Als Antwort brachte Delano ein erstaunliches Argument vor. Er behauptete, die Vereinigten Staaten seien zu schwach, um ihren vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen. Einer Abschrift im Nationalarchiv zufolge sagte Delano: "Solange die Weißen glauben, dass es [in den Black Hills] Gold und Silber gibt, wird ihre Sehnsucht, dorthin zu gehen so groß sein, dass wir sie weder unterdrücken noch aufhalten können." Delano sagte weiter: "Ich möchte, dass Sie bedenken wie schwierig es ist die Weißen davon abzuhalten dorthin zu gehen ... wenn Menschen getötet werden und es zu einem Krieg kommt ... wird es auf allen Seiten Leid geben."

Das war eine listige Taktik. Nachdem die USA bewusst einen Goldrausch herbeigeführt hatten, behaupteten sie nun, ihnen seien die Hände gebunden und sie könnten die Goldsucher nicht davon abhalten sich in den Black Hills niederzulassen.

Spotted Tail antwortete: "Ich respektiere den geschlossenen Vertrag und es gefällt mir überhaupt nicht, denn es ist den Weißen erlaubt, in unser Land zu kommen und sich dort niederzulassen. Und wenn es zu irgendwelchen Problemen kommt", fügte er hinzu: "ist das die Schuld des weißen Mannes und nicht der Indianer."

Wir konnten beobachten, wie sich überall das gleiche Muster abspielte. Die Lakota wussten, was in ihren Vertragsgebieten vor sich ging. Was die Lakota sahen, gefiel ihnen zwar nicht aber sie versuchten dennoch den Vertrag einzuhalten. Dafür wurden die Lakota mit Täuschung und Gewalt konfrontiert.

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Das Center for American Indian Research and Native Studies (CAIRNS) ist ein von Indianern kontrolliertes gemeinnütziges Forschungs- und Bildungszentrum, das 2004 gegründet wurde und sich im Lacreek District des Pine Ridge Reservats in South Dakota befindet.

Die Zeit im Auge behalten

Tain in the face

Deutsche Übersetzung von Evelin Červenková - Lakota Oyate Information in (Ost)Deutschland mit freundlicher Erlaubnis von James Giago Davies von Lakota Times

Originaltext in Englisch zu finden unter: https://www.lakotatimes.com/articles/keeping-time/

Bild: Rain In The Face (Deutsch: Regen im Gesicht), fotografiert von Orlando Goff im Fort Abraham Lincoln im Jahr 1874, als er dort zu Unrecht eingesperrt war.]

Dies ist unsere "Meldung" der 9. Woche (16.-30. August) von einer berüchtigten Expedition aus dem Jahr 1874, die vor genau 150 Jahren auf der Suche nach Gold in Paha Sapa stattfand. Wir durchforsten das reichhaltige Archiv der dokumentarischen Aufzeichnungen, die erstellt wurden um zu fragen, was es über die Ureinwohner der Region verrät. Um online die Expedition zu verfolgen, klicken Sie auf https://tinyurl.com/rwaffkbk.

Die Expedition lagerte am 26. August in der Nähe eines markanten Wahrzeichens. Das Wahrzeichen wurde von William Ludlow, dem Ingenieur und Kartographen der Expedition "Young Men's Butte" genannt. Der Geologe der Expedition, Newton Winchell, schrieb jedoch, dass der Name "Spring Butte" aufgrund der "wunderschönen Wasserquellen" dort besser geeignet sei.

Über Young Men's Butte gibt es zwei Versionen einer interessanten Geschichte. Der früheste in North Dakota: A Guide to the Northern Prairie State veröffentlichte wurde vom Federal Writers' Project der Works Progress Administration geschrieben und 1938 veröffentlicht. Die Geschichte bezieht sich auf eine Zeit als die Arikara-Indianer am Grand River im heutigen South Dakota lebten. Der Legende nach trennte sich eine Gruppe der Arikara-Indianer von ihrem Stamm und machte sich auf den Weg nach Nordwesten um eine neue Heimat zu suchen. Zwei junge Männer in dieser Gruppe fühlten sich jedoch wegen der zurückgelassenen Liebsten einsam und als sie diesen Hügel erreichten, beschlossen sie in ihre alte Heimat zurückzukehren. Der Rest der Arikara-Gruppe wanderte weiter und man hörte nie wieder etwas von ihnen.

Die spätere Version stammt von Louis Pfaller und wurde 1978 in Stark County Heritage and Destiny veröffentlicht. Darin schreibt Pfaller dem Rain-In-The-Face, einem berühmten Lakota-Krieger, diese Geschichte zu. Es geht um die Zeit als die Lakota-Indianer 106 Crow-Indianer töteten, die in der Gegend jagten. Einer der Crow-Indianer, der einzige Überlebende, flüchtete auf die Spitze des Hügels, wo er sang und tanzte und schrie: "Kein Lakota-Indianer würde ihn jemals töten." Dann erstach er sich selbst. Die Lakota-Indianer bewunderten seinen Mut. Deshalb begruben sie ihn ehrenhaft und nannten den Ort "Young Man's Butte". Ludlow zeichnete den Standort von Young Men's Butte mit 46 Grad, 52 Minuten und 20 Sekunden Breite und 102 Grad, 15 Minuten und 49 Sekunden Länge auf.

Gegen 4 Uhr am nächsten Morgen, dem 27. August ging der Vollmond unter als sich die Expedition darauf vorbereitete ihren Marsch in Richtung Fort Lincoln fortzusetzen. Laut Ludlow verließen sie das Lager um 4:45 Uhr. Er konnte diese Information aufzeichnen, weil er "zwei Chronometer" mitgenommen hatte. Dabei handelte es sich um sehr genaue Uhren, die es ihm ermöglichten mithilfe der Sonne und der Sterne den genauen Breiten- und Längengrad zu bestimmen, so dass er Orte wie Young Men's Butte und die Route der Expedition genau einzeichnen konnte. Ohne sie konnte die Expedition sich nur durch Koppelnavigation orientieren und die einzige Zeit, auf die sie sich verlassen konnten, war Mittag an einem klaren Tag.

Ludlow und Winchell schrieben nichts über den Vollmond an diesem Morgen. Für ihre Methode der Zeitmessung war es irrelevant. Aber für die Lakota-Indianer war jeder Vollmond der Beginn eines neuen Monats. Das Lakota-Indianer-Jahr begann mit dem Vollmond, der kurz vor der Rückkehr der Enten aus ihren Winterquartieren im Süden stand. Im Jahr 1874 war dieser Vollmond entweder der 2. März oder, was wahrscheinlicher ist, der 1. April. Wenn das der Fall war, dann war der Vollmond am 27. August der sechste dieses Lakota-Indianer-Jahres.

Die Namen der Vollmonde waren nicht standardisiert wie die Namen der gregorianischen Monate. Und die Jahre wurden benannt aber nicht gezählt. Das gregorianische Jahr 1874 war zum Beispiel "Ein Dakota tötet einen Hirsch" in der Winterzählung "The Flame", "Die Oglalas bei Red Cloud Agency zerschnitten den Fahnenmast" in der Winterzählung "American Horse" und "Die Utes stahlen alle Pferde der Brule" in der Winterzählung "The Flame" und die Winterzählung von Cloud Shield "Sie töteten viele Pawnee" bei der Winterzählung von Rosebud.

In dieser Lakota-Indianer-Welt orientierten sie sich mit Geschichten und Erfahrungen durch ihre riesigen Vertragsgebiete und darüber hinaus. Sie brauchten keinen Chronometer um zu wissen, wo sie sich befanden oder wie sie dorthin gelangen, wohin sie wollten. Zeit und Ort waren gemeinschaftlich, nicht universell.

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Das Center for American Indian Research and Native Studies (CAIRNS) ist ein von Indianern kontrolliertes gemeinnütziges Forschungs- und Bildungszentrum, das 2004 gegründet wurde und sich im Lacreek District des Pine Ridge Reservats in South Dakota befindet.

Rauchsignale

Rauchsignale von Oscar Howe ca. 1953

Deutsche Übersetzung von Evelin Červenková - Lakota Oyate Information in (Ost)Deutschland mit freundlicher Erlaubnis von James Giago Davies von Lakota Times

Originaltext in Englisch zu finden unter: https://www.lakotatimes.com/articles/smoke-signals-reprint/

VON CRAIG HOWE UND LUKAS RIEPPEL

Als die Expedition von der heiligen Höhle ... nach Süden marschierte, kamen die Black Hills in Sichtweite. "Was für ein herrlicher Moment", rief ein Soldat namens Theodore Ewert aus als er sie am 17. Juli zum ersten Mal sah.

Aber die Expeditionssoldaten waren auch unruhig. Wie wir bereits besprochen haben, deutet der Bericht von Black Elk darauf hin, dass sie überwacht wurden. Und diese Woche fühlten die Soldaten sich beobachtet.

(Wenn Sie die Bewegungen der Expedition verfolgen möchten, besuchen Sie bitte unsere Website: tinyurl.com/rwaffkbk).

Am 13. Juli sah Captain McDougall eine "Gruppe Indianer", von denen er vermutete, dass sie ihre Bewegungen überwachten. General Custer beschrieb die Begegnung als Beweis für die "Anwesenheit von Indianern". Alle waren in höchster Alarmbereitschaft.

Am nächsten Tag sah ein Journalist der NY World drei Rauchzeichensätze "eines deutlich links von den anderen beiden, die die Linie unseres Marsches signalisierten und die Tatsache, dass niemand mehr von uns kommt." Custer stimmte zu und interpretierte die Signale als "Informationsübermittlung an den Hauptteil unserer Präsenz und Bewegungen". Der Expeditionsnaturforscher George Bird Grinnell erinnerte sich auch daran, wie "die wilden Indianer Signale über uns austauschten". Und in seinem Tagebuch schrieb der erstaunte Private Ewert: "In der Kunst der Rauchsignale ist der Rote Mann ein perfekter Meister und sein Signalcode ist fast so vollständig wie unser eigener im Signalbüro in Washington."

Eine kleine Gruppe wurde entsandt um die Quelle dieser Signale zu untersuchen. Darunter befanden sich der Lakota-Indianer-Führer Goose sowie ein Mischlingsdolmetscher namens Louis Agard, die beide bestätigten, dass sie von Lakota-Indianern verfolgt wurden.

Am 18. Juli schließlich sah Gefreiter Ewert erneut Rauchwolken aufsteigen "in großen dunklen Massen, die zweifellos die ankommenden Stämme darüber informierten, dass wir in ihr Gebiet eingedrungen waren".

Die Expeditionssoldaten wussten nicht wirklich wie sie die Rauchsignale der Lakota-Indianer deuten sollten. Daher investierten die Vereinigten Staaten im Laufe des nächsten Jahrzehnts beträchtliche Ressourcen um mehr über Native Technologien für die Fernkommunikation zu erfahren.

Generalleutnant Philip H. Sherman wies W.P. Clark von der zweiten Kavallerie, der in den 1870er Jahren bei den Red Cloud und Spotted Tail Agencies stationiert war, um Nachforschungen anzustellen. In seinem veröffentlichten Bericht beschrieb Clark eine "übliche Art den Erfolg einer Kriegspartei anzukündigen", indem er "zwei Feuer in geringem Abstand voneinander entfachte" und "zwei parallele Rauchsäulen aufsteigen ließ (zwei Säulen bedeuten Glück)".

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschrieb ein im Pine Ridge Reservat stationierter BIA-Arzt namens James R. Walker wie Lakota-Pfadfinder Rauch zur Kommunikation nutzten. Ein Pfadfinder "machte ein Feuer" und warf dann "einen Haufen grünes Zeug darauf, das einen dichten Rauch entstehen ließ." Wenn der Rauch aufzusteigen begann, warf er sein Gewand darüber, hielt es einige Augenblicke dort und zog es dann zurück, wodurch eine unterbrochene Rauchsäule entstand. Dies wiederholte er viermal. Nach einer kurzen Wartezeit wiederholte er diesen Vorgang mehrmals. Dies war das Signal der Oglalas, dass ein Feind entdeckt wurde. "Wenn man solchen Rauch sieht", schloss Walker, "holen die indianischen Männer sofort ihre Kriegsausrüstung und eilen zu der Stelle, wo der Rauch gesehen wird."

Aber nicht nur in der Kriegsführung wurden Rauchzeichen eingesetzt. Sie waren praktisch wenn man aus der Ferne kommunizieren musste. Im Jahr 1914 erzählte ein Oglala-Indianer namens Finger Walker die Geschichte wie Wohpe die heilige Pfeife zum Lakota-Volk brachte. Als sie sich zwei jungen indianischen Männern offenbarte, begehrte einer von ihnen ihre Schönheit und starb. Whope forderte den anderen auf "in das Indianer-Lager zurückzukehren und den gesamten Rat zusammenzurufen und ihnen zu sagen, dass sie in kurzer Zeit mittags vier Rauchwolken unter der Sonne sehen würden." Als sie dieses Zeichen sahen, sollten sie ein Festmahl vorbereiten und alle im üblichen Kreis sitzen. Als Wohpe einige Tage später ankam und sich dem indianischen Fest anschloss, sagte sie den versammelten Lakota-Indianern "dass sie sie zuerst als Rauch gesehen hatten und dass sie sie immer als Rauch sehen sollten." Dann holte sie aus ihrem Beutel eine Pfeife, Weidenrinde und Lakota-Tabak.

Offensichtlich wurden Rauchsignale sowohl von Geistern als auch von Lakota-Indianern verwendet. Die Expeditionssoldaten konnten jedoch die wahre Bedeutung ihrer Rauch-Botschaften nicht verstehen.

Überwachung der Gutachter: Wo der Bär bleibt

Goose

Deutsche Übersetzung von Evelin Červenková - Lakota Oyate Information in (Ost)Deutschland mit freundlicher Erlaubnis von James Giago Davies von Lakota Times

Originaltext in Englisch zu finden unter: https://www.lakotatimes.com/articles/surveilling-surveyors-where-the-bear-stays-in/

Dies ist unsere erste "Depesche" aus dem Sommer 1874. Wie wir in der Kolumne der letzten Woche beschrieben haben, werden wir eine berüchtigte Expedition zum Goldfund in Paha Sapa verfolgen, die vor genau einhundertfünfzig Jahren stattfand. Wir wollen die extraktiven Ziele dieser Aufklärung auf sich selbst zurückdrehen und das reichhaltige Archiv der dokumentarischen Aufzeichnungen, die sie produziert hat, durchforsten, um zu fragen, was sie über die Ureinwohner der Region verrät. Für diejenigen, die mitmachen möchten, haben wir eine Website erstellt (https://tinyurl.com/rwaffkbk).

Pünktlich um 8 Uhr morgens am Morgen des 2. Juli verließ die Expedition Ft. Abraham Lincoln. Während sie über etwa fünfzehn Meilen durch hügelige Prärie marschierten, bemerkte William E. Curtis, ein Sonderkorrespondent der New York World, überall mehrere Pfade mit "gebleichten Knochen der Büffel".

Zu unserer Überraschung waren an der Expedition fast einhundert Kundschafter verschiedener Stämme beteiligt. Laut Curtis marschierten sie an der Spitze der Hauptkolonne und bildeten "die Vorhut". Dies weist darauf hin, dass die Ureinwohner ein deutlich sichtbarer Teil der Expedition waren. Wer sich der Soldatenkolonne näherte, hätte sie nicht übersehen können.

Nach mehreren langen Marschtagen unter der heißen Sonne erreichten sie eine wunderschöne Prärie. Nach Angaben des Geologen der Expedition befand sich darin "ein fließender Strom klaren Wassers", den Goose, einer der einheimischen Führer "Wo der Bär im Winter bleibt" nannte. Eine Expeditionskarte zeigt diesen Bach nordwestlich von Carson, SD, auf 46° 30' 56"N und 101° 37' 42"W.

Am nächsten Tag, am 6. Juli, erreichten sie den Cannon Ball River. Hier beschrieb Theodore Ewert das Treffen mit "einer Gruppe von Sioux-Indianern", die "behaupteten, auf der Jagd zu sein". Aber wie wir in unserer letzten Kolumne beschrieben haben, war sich Ewert sicher, dass sie tatsächlich "als 'Beobachtungskorps' für die Bewegungen unserer Expedition hier stationiert waren'.

Offensichtlich wurde die Expeditionüberwacht. Irgendwann sah ein Botaniker namens Aris Donaldson etwa eine Meile entfernt in der Ferne eine Gebetsfahne auf einer Klippe. Als ein Späher losgeschickt wurde, um die Sache zu untersuchen, kam er mit einem Quadratmeter Kattun zurück, der an einem Querstück auf einer großen Stange befestigt war. Auf beiden Seiten des senkrechten Kreuzes hing ein Tabakstopfen, den Donaldson als "ein Angebot" interpretierte, um "irgendeinen Schutz zu gewährleisten und zwar höchstwahrscheinlich vor dieser Expedition".

Doch die Expedition wurde nicht nur aus der Ferne beobachtet. Sie enthielt auch mehr als einen Lakota-Indianer-Führer. Wer waren sie und warum könnten sie zugestimmt haben Custers Gruppe beizutreten?

Leider bieten die uns zur Verfügung stehenden Quellen keine endgültigen Antworten. Für die meisten indianischen Führer kennen wir nicht einmal die Namen.

Aber es gibt ein paar Ausnahmen. Am faszinierendsten - und verwirrendsten - ist Goose, der den Aufenthaltsort des Bären in Winter Creek identifizierte. Nach Angaben der New York Tribune wurde Goose von der "Grand River Agency" im heutigen Standing Rock Reservat "beschafft".

Anfangs waren wir skeptisch, ob Goose wirklich ein Hunkpapa war. Warum sollte ein 39-jähriger Lakota-Indianer an dieser Expedition teilnehmen? Aber als wir weiter nachforschten, kamen weitere Beweise ans Licht. Zuerst fanden wir ein von D. F. Barry aufgenommenes Foto von Goose mit der Aufschrift "Sioux Indian Scout". Wir fanden auch Memoiren des Expeditionsnaturforschers George Bird Grinnell, der sich daran erinnerte, Standing Rock viele Jahre später besucht zu haben. Goose trat im Gemischtwarenladen an Grinnell heran und "fragte mich, ob ich nicht schon vor vielen Jahren mit gelbem Haar (Gemeint ist Custer. - Anmerkung der Übersetzerin) in die Black Hills gegangen wäre".

Schließlich erfuhren wir, dass Goose mit der Ethnomusikologin Frances Densmore zusammengearbeitet hatte, die ihn als einen angesehenen Medizinmann beschrieb, der im Alter von siebenundzwanzig Jahren am Sonnentanz teilgenommen hatte, indem er an der Mittelstange aufgehängt wurde.

Die Arbeit, die Goose mit Densmore geleistet hat, wirft auch ein Licht auf die Bedeutung von Cannon Ball River. Laut Curtis verdankt der Fluss "seinen Namen dem Vorhandensein von Felsbrocken aller Größen, die durch Abrieb zu perfekter Rundheit geformt wurden." Solche Steine, erklärt Densmore, könnten verwendet werden, um Krankheiten zu heilen, die Zukunft vorherzusagen und verlorene Gegenstände wiederzufinden.

Nachdem er von ihnen geträumt hatte, sagte Chased By Bears (Deutsch: Von Bären verfolgt) zu Densmore, dass solche Steine "in ihrer Art perfekt" seien, weil sie "kein Ende und keinen Anfang" hätten. Brave Buffalo (Deutsch: Tapferer Büffel) sagte etwas Ähnliches und erklärte, dass sie "rund wie die Sonne und der Mond" seien. Aber nicht alle runden Steine sind gleich. "Einige wurden in der Strömung eines Baches geformt." sagte er, während andere "weit entfernt vom Wasser gefunden wurden und nur der Sonne und dem Wind ausgesetzt waren". Es waren diese, welche Brave Buffalo bevorzugte.

Auch Goose träumte von den heiligen Steinen, erzählt uns Densmore und er hatte zwei davon in seinem Besitz. Einmal forderte ihn ein Skeptiker auf ihre Macht zu demonstrieren, indem er einen Büffel zu der Stelle herbei rufen sollte, an der sie standen. Obwohl sie schon lange aus der Region verschwunden waren, schickte Goose "die heiligen Steine, um einen Büffel zu beschwören". Schon bald tauchte einer auf und kam nahe genug heran um erschossen zu werden.

Wir werden nie erfahren, was Goose motiviert haben könnte an dieser Expedition teilzunehmen. Aber wir wissen, dass er ein angesehener Medizinmann war, der mit siebenundzwanzig am Sonnentanz reilnahm und die Kraft heiliger Steine verstand.

Überwachung der Gutachter

Black Elk Black Elk (Deutsch: Schwarzer Elch), fotografiert als junger Mann. Mit freundlicher Genehmigung der Smithsonian Institution, National Anthropological Archives.

Deutsche Übersetzung von Evelin Červenková - Lakota Oyate Information in (Ost)Deutschland mit freundlicher Erlaubnis von James Giago Davies von Lakota Times

Originaltext in Englisch zu finden unter: https://www.lakotatimes.com/articles/surveilling-the-surveyors/

von von CRAIG HOWE und LUKAS RIEPPEL
LT Mitwirkende

Vor fast genau einhundertfünfzig Jahren reisten zwei getrennte Gruppen von Menschen durch Paha Sapa, die Black Hills (Deutsch: Schwarzen Hügel). Die erste Gruppe bestand aus Oglala-Indianern und zu ihr gehörte auch der bekannte Visionär Black Elk. Die zweite war eine viel größere Kolonne schwer bewaffneter Soldaten, die über tausend Mann zählte und von George Armstrong Custer angeführt wurde.

Ihre Gründe in die Black Hills zu gehen, hätten unterschiedlicher nicht sein können. Die Militärexpedition wurde dorthin geschickt, um Gold zu finden, eine Karte der Region zu erstellen und einen geeigneten Ort für ein Fort zu finden. Im Gegensatz dazu gingen Black Elk und seine Verwandten in die Black Hills, um Holzstangen für Tipis zu schneiden.

Obwohl sich die beiden Gruppen nie persönlich gegenüberstanden, interagierten sie doch indirekt. Im Gespräch mit John Neihardt viele Jahre später erinnerte sich Black Elk daran, wie er eine Schwitzhütte für einen Medizinmann namens Chips gebaut hatte, der sie warnte, dass etwas Schlimmes passieren würde. Auf ihrer Flucht berichteten einige indianische "Späher, dass Soldaten auf die Black Hills zusteuerten." Und als sie nach Fort Robinson zurückkehrten, erzählten sie allen "dass wir einige Weiße auf dem Weg zu den Black Hills gesehen hatten." Die versammelten Lakota-Indianer waren sich einig, dass etwas getan werden musste. "Crazy Horse war im Westen und Sitting Bull im Norden" erinnerte sich Black Elk "und alle dachten, sie sollten sich zusammentun und etwas gegen die Goldgräber in den Black Hills unternehmen."

Die Expeditionssoldaten wussten, dass sie beobachtet wurden. Am 6. Juli 1874 verzeichnete das Tagebuch eines Gefreiten namens Theodore Ewert eine Begegnung mit "einer Gruppe Sioux-Indianer". Obwohl die Indianer behaupteten auf der Jagd zu sein, war sich Ewert sicher, dass sie "als 'Beobachtungskorps' für die Bewegungen unserer Expedition hier stationiert waren". Dann am 14. Juli behauptete ein Journalist der New York World, er habe Rauchsignale gesehen, die "die Linie unseres Marsches und die Tatsache, dass niemand mehr von uns kommt" signalisierten. In seinem offiziellen Bericht an diesem Tag interpretierte Custer die Rauchsignale auch als "Informationsträger" über "unsere Anwesenheit und Bewegungen".

Obwohl sie nur kurz waren, können wir aus diesen flüchtigen Begegnungen viel lernen. Zumindest ist klar, dass die Lakota-Indianer wussten was in ihren Vertragsgebieten vor sich ging. Dies führt zu einer faszinierenden Frage: Wie haben sie eine der berüchtigtsten Militärexpeditionen in der amerikanischen Geschichte verstanden? Die Erinnerungen von Black Elk in Kombination mit Dokumenten der Expedition von 1874 deuten allmählich auf eine Antwort hin.

Aus der Ferne ist klar, dass die US-Armee geschickt wurde um Informationen in den Black Hills zu sammeln. Der offizielle Bericht beschrieb die Expedition als "Erkundungstour" und enthält seitenweise Informationen über die Geographie, Topographie, das Klima, den Mineralreichtum und die Ureinwohner der Region. Umso bemerkenswerter ist es zu erfahren, dass die Lakota-Indianer eine Art Gegenüberwachung betrieben.

Während wir uns dem 150. Jahrestag dieser Ereignisse nähern, hat sich CAIRNS mit Lukas Rieppel, einem Historiker an der Brown University, zusammengetan, um ab dem Sommer 1874 wöchentliche "Depeschen" zu verfassen. Wir wollen keine abgedroschenen Geschichten wieder aufwärmen, die man besser hinter sich lassen sollte. In Anlehnung an Black Elk möchten wir stattdessen etwas anderes ausprobieren. Indem wir die Bewegungen der Expedition genau beobachten, können wir viel über die Geschichte und Kultur der Lakota-Indianer erfahren. Das ist unser Ziel: die Gutachter zu überwachen mit dem Ziel, neue Erkenntnisse und Interpretationen über eine transformative Periode in der Geschichte der Lakota-Indianer zu liefern.

Jede Woche werden wir eine neue Kolumne schreiben, die das extraktive Ziel dieser Expedition auf sich selbst zurückführt und das reichhaltige Archiv der von ihr erstellten Dokumentationen durchforstet, um zu fragen, was sie über die Ureinwohner der Region verrät. Wir freuen uns darauf, Sie auf der Reise in die Vergangenheit dabei zu haben!

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